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onkel tuca
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Das VJ-Duo Onkel Tuca aus Braunau - seit über 10 Jahren im Geschäft - spricht über dezentrale Netzwerke, Resident-VJing und ihre eigene Entwicklertätigkeit.

Gibt es im Innviertel eine DJ/VJ-„Szene“? Ist diese über die Grenzen mit Bayern und Salzburg vernetzt?

Ja und Jein. Die DJ-Szene vernetzt sich gerade ganz gut. Nicht ganz unbeteiligt daran ist auch das SAKOG, da die Jungs dort mit ihrem „High End Club“ den Anreiz dafür geschaffen haben, aus einem DJ-Hobby ernst zu machen. Die VJ-Szene entwickelt sich auch, wird momentan jedoch irgendwie von Eigenbrötlern beherrscht. Das wird sich im Laufe der Zeit aber auch ändern. Wir sind allerdings, was networking betrifft, auch etwas nachlässig, da wir meist eh schon von Kopf bis Fuß mit Arbeit eingedeckt sind, und dann einfach keinen Nerv mehr dafür haben.

Wann und wieso habt ihr mit VJing angefangen?

Die ersten Video Animationen zur Musik bzw. für Events haben wir bereits 1994 produziert, jedoch war da der PC auf dem graphischen Sektor noch alles andere als brauchbar. Darum spielte damals der Amiga noch eine wichtige Rolle. So richtig, mit dem das was man heute als VJing bezeichnet, ging es bei uns 1999/2000 los.

VJing war und ist für uns grundsätzlich der Ausgleichssport zur täglichen Arbeit. Als neue Medien- Menschen betreiben wir sehr viel F&E. Nicht für Kunden verwendbare Ergebnisse fließen dann in VJ-Sets und Technik ein. Ebenso graphische „Restl“, die bei Projekten sonst ungenützt übrig bleiben würden.

Wie seid ihr vor Ort aufgenommen worden? Welche Erfahrungen habt ihr mit Veranstaltern gemacht?
 
Vor Ort haben wir eigentlich immer schon unsere eigenen Parties geschmissen. Dass es in Braunau und Umgebung nun auch Events gibt, für die man gebucht wird, führen wir darauf zurück, dass unsere Parties hier Vorbildwirkung haben. Dadurch werden nun auch mehr VJs benötigt und eine Szene ist im Entstehen. Entwicklungshilfe mehr oder weniger: unsere erste Drum&Bass Party in Braunau war 2001!

Ihr seid Resident-VJs: Wie darf man sich das vorstellen: Achtet man da besonders darauf, sich nicht zu wiederholen oder versucht man im Gegenteil bestimmte Visuals als Markenzeichen zu etablieren?

Über das haben wir eigentlich noch nie nachgedacht. Die Leute sehen Visuals als zusätzlichen Licht/Raumeffekt an. Wenn sie zur Musik passen, dann fallen Sie einem Gast gar nicht so stark auf. Ist der Sound böse oder deep und man sieht z.b. Explosionen, dann unterstützen sie den Sound und im Kopf des Betrachters bildet sich dann eigentlich das Gesamtkunstwerk. Da ist es nicht so wichtig, ob man den auf der hintersten Ebene verwendeten Clip am gleichen Abend schon einmal gesehen hat. Oder bei der letzten Veranstaltung. Aber es gibt immer wieder Clips, die die Leute gerne sehen - mit denen ist man automatisch sparsamer, weil man sie ja länger verwenden will.

Was die Residencies betrifft, achten wir natürlich darauf, dass sich die Leute nicht satt sehen bzw. wir zu unterschiedlichen Musikrichtungen arbeiten. Je nach Musikrichtung ändert sich das Publikum bzw. das VJ-Set. Auf diese Art und Weise funktioniert es auch dass man 2-3 mal im Monat im selben Club Visuals machen kann. Der Druck, neue Footage zu produzieren, wächst dadurch allerdings.

Wie würdet ihr eure Visuals beschreiben?

Bunt, plakativ, illustrativ, schnell geschnitten, inhaltlich eher kantig und techniklastig - Kraftwerke, Roboter, Raumschiffe und ähnliches lassen es auf der Leinwand krachen.

An welchen Künstlern orientiert ihr euch? Gibt es Vorbilder?

Extrem schwere Frage. Inhaltlich gibt es so etwas wie Vorbilder nicht. Technisch gibt es immer wieder interessante Inputs, welche wir aufgreifen und versuchen, in unser Setup zu integrieren. Jedoch ergibt sich für uns selten die Gelegenheit, in das Projektionssetup im Club einzugreifen, und diese ausserhalb unseres Studios zu testen.

Arbeitet ihr mit Found Footage oder selbst generierten Visuals?

Beides, wobei schon lange kein Fremdmaterial den Weg in unseren regulären Content Pool gefunden hat. Da wir für einige Kunden als Promo-Maschine gebucht werden, gibt es natürlich einen eigenen Pool, der das Material der Kunden verwendet. Diesen Pool nutzen wir aber nur eben für diese Kunden. Wenn wir also das machen, was wir am besten können - Drum&Bass Visuals - kommen 90% Eigenproduktionen zum Einsatz. Wird es aus urheberrechtlichen Gründen verlangt, kein Fremdmaterial zu verwenden, ist das also gar kein Problem.

Ohne zu viel Geheimnisse zu verraten: mit welchem Equipment und welchen Programmen arbeitet ihr?

Gemixt/Visualisiert wird mit Resolume, Shuttle PCs und/oder Notebook und ReACT Controller. Produziert wird mit allem, was Content produziert. Unser Lieblings-Clip-Format ist immer noch Flash, da sich Vektoren ja beliebig ohne Qualitätsverlust aufskalieren lassen. Wir arbeiten im Moment an neuen VJ Rechnern, um die „alten“ Geräte ablösen zu können.

Ihr wart „maßgeblich am Design des ReACT Visual Controllers beteiligt“ - was ist ein ReACT Visual Controller?

Der ReACT Visual Controller ist im Endeffekt „nur“ eine MIDI-Tastatur, die speziell für Resolume entwickelt wurde. Sie bietet Tasten über Tasten und 10 endlos Drehregler, welche über diverse Umschaltmöglichkeiten auf 39 Drehregler Ausgänge aufgebohrt werden. Den ReACT selbst haben wir 2001 angefangen zu entwickeln - eben aus der Not heraus, mit Maus und Tastatur nicht schnell genug interagieren zu können. Das finale Design stand 2004, die ersten Controller wurden dann 2005 ausgeliefert.

Ihr habt inzwischen zu mehreren Musikstilen VJ-Sets. Wie stimmt ihr euer Programm auf die Musik ab?

Wir haben inzwischen Sets für (fast) alle Musikrichtungen. Eigene Sets gehen inzwischen von Kommerz/POP/Rock über Elektro zu Drum&Bass. Die Sets bestehen aus mehreren Decks mit jeweils 20 Clips, die sowohl inhaltlich als auch betreffend Abspielgeschwindigkeit auf die jeweilige Musikrichtung angepasst sind. Bei den Elektro-Sets sind die Clips selbst großteils noch mit Effekten angelegt, bei Drum&Bass ist die Abspielgeschwindigkeit etwas schneller. Bei den POP/Rock-Sets ist der Fremdmaterial-Anteil viel höher. Viele Decks sind allgemeine Decks, die mit Overlay Visuals bestückt sind - mit denen dann eigentlich erst der finale Schliff möglich ist und der OnkelTuca Stil „entsteht“.
 
http://www.myspace.com/onkeltucavisuals