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INTERVIEW: Sweet Susie & Mannie Montana

INTERVIEW: Sweet Susie & Mannie Montana

Das Wiener DJ-Paar Sweet Susie und Manni Montana im Gespräch über DJing, VJing, den dubclub und die EUTOPIA DJ-VJ-Insel. Und dabei nicht immer gleicher Meinung..

Was ist Djing für euch? Was macht gutes Djing aus?

MM: Mit einer ganz besonderen Auswahl an Platten den ganz speziellen Mix produzieren, der die zuhörenden Menschen zum Tanzen oder zum Nachdenken oder zu sonst irgendwas bringt...das kommt natürlich ganz auf die Location an bzw. worum es an einem Abend eigentlich geht. Für den Dancefloor lege ich derzeit bevorzugt rockige New Skool Breakz auf. Ansonsten steh ich auch auf Dub in sämtlichen Variationen, Dope Beats und experimentellere Elektronik. Ich tauche immer sehr konzentriert in den Sound ein und bin glücklich, wenn das Publikum positiv reagiert. Da ist immer eine gewisse Wechselwirkung im Spiel. So sollte es im Idealfall auch sein.

SS: In den Clubs/Discos wird das ekstatische Verlangen des Menschen ausgelebt. Der DJ agiert dabei wie ein Art Schamane der Neuzeit, der das Publikum auf eine Reise schickt. Gutes Djing ist somit wenn die Tänzer in Ekstase kommen, eine Art transzendente Erfahrung machen in einer profanen Welt.

Gibt es eine gegenseitige Beeinflussung und wie sieht die aus?

MM: Ja klar! Wir spielen uns immer wieder die neuesten „Entdeckungen“ vor und feuern uns gegenseitig bei unseren Gigs an. Natürlich sind wir ständig mit vielen anderen DJs unterschiedlichster Richtungen in Kontakt, spielen gemeinsam und hören uns auch gerne deren Sets an. Da findet ein reger Austausch statt. Da ich ja in erster Linie Elektronikmusiker und Produzent bin und erst in zweiter Linie DJ, was ja bei sehr vielen Produzenten der Fall ist, entstehen sicher auch dadurch gegenseitige Beeinflussungen. Wobei die Tracks, die ich auflege, meistens einfacher gestrickt sind als meine eigenen Produktionen. Ich lerne jedenfalls immer wieder etwas Neues dazu und lasse mich gerne von verschiedensten Einflüssen inspirieren. Musik zu komponieren und zu produzieren ist ohnehin ein lebenslanger Lernprozess. Es soll niemals engstirnig und provinziell werden, soll immer fließen und spannend bleiben.

SS: Man lernt immer von einander. Es gibt ja so viel Musik und Manni hat mir Sachen vorgespielt die ich noch nicht so gekannt habe. Außerdem habe ich auch oft Manni’s Produktionen aufgelegt. Wie ich mit Djing begonnnen hatte, hab ich viel BASK aufgelegt (Manni’s Projekt in den 90ern)

Eure Meinung zu Final-Scratch-Platten, CD-Scratchen und anderen technischen Hilfsmitteln?

MM: Final Scratch, Serato und Djing mit CDs sind sicher tolle technische Weiterentwicklungen, die einen vor potenziellen Bandscheibenschäden bewahren können, weil du einfach nicht mehr tonnenweise Vinyl herumschleppen musst, haha... Vor allem die Gigs im Ausland sind immer etwas mühsam mit so vielen Platten im Gepäck, speziell die check-ins und check-outs auf Flughäfen. Trotzdem lege ich persönlich weiterhin lieber mit Vinyl auf. Vinyl Platten sind immer noch die geilsten Tonträgerformate, die es gibt!

SS: Ich glaube, das Publikum liebt auch das Performative am Djing. Sie finden es sexy, wenn ein Dj in seiner Plattenkiste wühlt, die Scheiben dann auf die Turntables legt, dann die Platte hin und her bewegt um diese einzustarten...Wenn man nun nur mit dem Laptop auflegt, ist das nicht so attraktiv zum Anschauen, wenn der Dj nur in einem Monitor schaut und verzweifelt die Files sucht. Aber Final Scratch bewahrt ja noch einen Teil dieser üblichen Dj-Performance. Ich persönlich lege nun neben Vinyl auch seit einiger Zeit mit CDs auf. Dancefloor Musik ist in der Regel recht kurzlebig und da erspart man sich doch einiges an Ausgaben, Schlepperei usw. Alle Musik, die sich doch auf Dauer als qualitativ erweist, habe ich trotzdem lieber auf Vinyl. Die schwarze Scheibe bleibt das respektvollste Medium, um Musik zu materialisieren.

Legt ihr gerne mit VJs auf? Bisher nur gute Erfahrungen gemacht?

MM: Mit VJs habe ich persönlich bisher wirklich nur gute Erfahrungen gemacht. Ich lege auch gerne mit VJs auf, weil das mindestens genauso leidenschaftliche Menschen sind wie ich selbst.

SS: Da ich auch Bildende Künstlerin bin, sind Bilder meine 2 Gehirnhälfte sozusagen. Ich vermisse bei den meisten Vjs eine Art Konzept. Ich finde, wir sind eh schon in der Öffentlichkeit zugespamt mit Werbung, so dass ich in einem Club nicht auch noch mit semiinteressanten Bildern zugebombt werden möchte.

Inwieweit beeinflusst ein VJ eure Performance? Lässt ihr das zu?

MM: Weil ich ja während meines DJ-Sets immer sehr konzentriert bei der Sache bin, kann ich die Bilder des VJs nur peripher verfolgen. Aber wenn ich dann z.B. beim Plattenwechseln eine kurze Sequenz mitbekomme, die ich grandios finde, kann mich das durchaus noch mehr aufstacheln. Dazu kommt, dass bis jetzt alle VJs, mit denen ich bis dato gearbeitet habe, große Musikfans sind und auch immer voll mit der Musik mitgehen. Das macht dann gleich noch mehr Spaß.

SS: Da müsste vorher DJ und VJ ein Konzept erarbeiten, um sich gegenseitig zu beeinflussen. Meist ist es so, dass der DJ sein Ding durchzieht und der VJ auch. Schade! Aus der Perspektive des Publikums sieht das dann meist doch recht hübsch aus.

MM: Eigentlich müsste der DJ dem VJ vor jedem Gig sein Set vorspielen und umgekehrt, damit tatsächlich ein gemeinsames Konzept daraus wird. Ich habe das vor einiger Zeit gemeinsam mit Miss Pinky so gemacht. Da haben dann Bilder und Musik perfekt zueinander gepasst. Ist halt extrem zeit- und arbeitsintensiv.

Gibt es Probleme wegen der Hierarchie innerhalb Djs und Vjs?

MM: Also von meiner Seite her mal sicher nicht! SS: Nein Hierachie gibt’s nicht. Außer das VJs die größere Arbeit haben und verhältnismäßig schlechter bezahlt bekommen. Ist Djing männlicher als Vjing oder wieso glaubt ihr, dass es wesentlich mehr Visualistinnen als DJanes gibt? MM: Ich würde nicht sagen, dass Djing „männlicher“ wäre. Nur überwiegen halt auch hier wieder einmal die Männer, so wie überhaupt sehr viele Gesellschaftsbereiche nach wie vor von Männern dominiert werden. Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass in der VJ-Szene in letzter Zeit eher die Frauen überwiegen.

SS: Solche Statements sind schon Konstruktionen. Djing gibt es halt von schon länger als Vjing. Djing haben Männer erfunden und kultiviert. Dann haben dank der immer stärker werdenden Emanzipation auch die Frauen solch männlich besetzte Gebiete betreten. Wie Vjing populär wurde, waren die emanizpatorischen Prozesse schon so fortgeschritten und Frauen haben sich den Bereich des Vjing gecheckt.

Susie: Wie ist der dubclub entstanden und was ist jetzt damit?

SS: Der Dub Club ist 1995 aus einer gemeinsamen Vorliebe für Dub Musik von Sugar B, Gümix und mir entstanden. Damals eröffnete gerade das Flex2 am Donaukanal und Tom Eller fragte uns, ob wir da was machen wollen. Sugar B und ich, damals noch ein Paar, betrieben im Cafe einen Club namens „Sweet“. Dann sind wir in die Halle übersiedelt, wo wir mit Gümix bis Herbst 2007, also 12 Jahre lang, jeden Montag Dub Club machten. Im nachhinein betrachtet war der Dub Club schon eine recht exklusive Geschichte. Er war nur für Menschen, die an einem Montag bis in die frühen Morgenstunden Party machen konnten und somit eigentlich bis Mittwoch halb unbrauchbar waren. Es waren viele bedeutende nationale und internationale Gäste bei uns und das kann man doch mit einem gewissen Stolz sagen, dass wir eine weltweit bekannte Institution in Sachen Dub Musik und ähnliche Stile wie sie z.B. Stereotyp produziert waren/sind. Dub Club in der wöchentlichen Montagsvariante im Flex gibt es nicht mehr, aber mal sehen, was die Zukunft bringt. Wir 3 spielen ja doch immer wieder gemeinsam.

Manni: Kannst du etwas über deine Veröffentlichungen und die Labels La Place Records / Private Pleasure Recordings erzählen?

MM: Puhh, da müsste ich jetzt aber sehr weit ausholen, da in den letzten 15 Jahren doch einiges in meinem Leben passiert ist, gerade auch was Veröffentlichungen betrifft. Deshalb versuche ich mich so kurz wie möglich zu halten: Meine ersten internationalen Erfolge hatte ich bereits Mitte bis Ende der 1990er Jahre mit zwei Albumveröffentlichungen unter den Titeln „Dark Monkey Moods“ und „World Slow Down“ meines damaligen Elektronikprojekts „Bask“. Und wie ist es nach Bask weiter gegangen? MM: Danach habe ich kontinuierlich EPs, Alben oder Singles auf verschiedensten Labels veröffentlicht und war in unterschiedlichste Projekte involviert. Seit ca. 4 Jahren arbeite ich musikalisch mit Sweet Susie zusammen. Besonders hervorheben möchte ich bei der Gelegenheit unser gemeinsames Album „KV 2006 – inspired by Mozart“, ein Kompositionsauftrag zum Mozartjahr 2006, erschienen auf dem Jazz-Label „Quinton“. Auf diese Arbeit bin ich heute noch sehr stolz, sowohl was die musikalische und kompositorische Leistung als auch die Klangqualität betrifft. Hierzulande wurde von diesem Werk bis auf ein paar wenige Ausnahmen leider kaum Notiz genommen, in einigen anderen Ländern hingegen wurde das Album sehr gut rezipiert und hat uns live sogar bis Asien gebracht. Letztes Jahr habe ich dann mit Susie die beiden Labels „Private Pleasure Recordings“ und „La Place Records“ gegründet. Bis jetzt gibt es die ersten Releases nur in digitaler Form als Download in diversen Shops wie z.B. soulseduction.com, junodownload.com, musicload.at oder auch i-tunes. Wir wollen in nächster Zukunft aber auf jeden Fall auch einiges an Material auf Vinyl rausbringen. Auf „Private Pleasure Recordings “ erscheinen hauptsächlich unsere „poppigeren“ Produktionen, die auch gerne von Alternative Radio Stations gespielt werden. „Oxygène“ mit der wunderbaren Alice Schneider als Sängerin ist beispielsweise so ein Titel. Auf „La Place Records“ wiederum lassen wir dann künstlerisch andere Seiten anklingen. Da sollen eher „schwierigere“, experimentellere oder komplexere Stücke ihren Weg in die Welt finden. Die erste Veröffentlichung auf La Place Records ist ein Manni Montana Solo Album mit dem Titel „The Return of the Punk Monk“, wo ich mit der amerikanischen Sängerin Dolli Melaine zusammengearbeitet habe, die einen genialen künstlerischen Beitrag geleistet hat, vor allem was die Texte und deren Interpretation betrifft. Tja, so geht es dahin...Die nächsten Veröffentlichungen von Sweet Susie und mir werden noch heuer folgen, wir sind ja wie zwei verrückte Arbeitsbienen, haha...

Und zum Abschluss bitte ein Statement zur Eutopia-Dj-Vj-Insel:

MM: Ich muss ja zugeben, dass ich letztes Jahr zuerst etwas vorurteilsbehaftet reagiert habe, als ich erfuhr, dass ich am Donauinselfest auf der Eutopia Bühne spielen sollte. „Was hab ich eigentlich am Donauinselfest verloren?“ dachte ich. Und dann war der Abend der totale Erfolg! Eine kleine, aber feine Bühne, ein sehr engagiertes Eutopia-Team, super Sound und tausende begeisterte Leute, die alle getanzt haben...also da war ich echt positiv überrascht und das war sicher einer der besten Gigs, die ich letztes Jahr gespielt habe. Dadurch, dass FM4-Bühne und Eutopia-Bühne gleich nebeneinander waren, hat sich in diesem Bereich der Insel eine Art „alternatives Platzerl“ gebildet, was sehr angenehm war, weil alle verstanden haben worum es geht und dadurch die Stimmung so gut und entspannt war. Außerdem sind auch vor allem wegen Sweet Susie jede Menge ehemaliger Dub Club Fans gekommen und auch Leute, die unsere Musik durch FM4 kannten. Da hatten wir dann schon so etwas wie einen kleinen „Heimvorteil“. Toll war aber auch, dass wir sehr viele neue, junge Fans dazugewinnen konnten.

SS: Ich freue mich schon auf einen neuen Auftritt. Eutopia gibt sich da wirklich viel Mühe, dass das optisch-akustische Erlebnis aufregend wird. Liebe Susi, lieber Manni: Vielen Dank für das Interview!