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INTERVIEW: Deepfjord - strenger Ästhet?
INTERVIEW: Deepfjord - strenger Ästhet?
INTERVIEW: Deepfjord - strenger Ästhet?
INTERVIEW: Deepfjord - strenger Ästhet?

INTERVIEW: Deepfjord - strenger Ästhet?

Deepfjord alias Marc Kössler, seit einem Jahrzehnt im VJ-Geschäft, im Gespräch über seine ästhetischen Vorlieben, künstlerische Herangehensweise und noch zu bespielende Traum - Locations.

 

Lieber Marc, wie bist du zum VJing gekommen?

Das ist schon relativ lange her. Angefangen habe ich eigentlich als DJ, so um 1990 herum. Dabei habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, zusätzliche optische Impulse zu bieten. Es ist ja relativ dürftig, einem DJ bei der Arbeit zuzusehen.

Hast du dir anfangs VJs gesucht? Hat es damals überhaupt schon welche gegeben?

Die VJs, die ich gekannt habe, haben mich eher inspiriert, was Eigenes zu machen. Etwa ab dem Jahr 2000 habe ich begonnen, selbst Visuals zu machen, mit analogen Lichtbildern, also Dias, die im Hintergrund von mir gelaufen sind. Die waren alle aufwendig handgemacht und mit speziellen Techniken - teilweise auch mit Säure - bearbeitet. ImageDas ist ja nun schon fast 10 Jahre her.

Was hat sich beim VJing seither verändert?

Von der Technik her hat sich recht viel verändert. Mittlerweile arbeite ich noch zum Teil analog, als Ergänzung zum Digitalen. Die Möglichkeiten sind durch die neuen Programme natürlich immens gewachsen. Aber es ist immer nur ein gewisser Prozentsatz Technik, der Rest muss Idee sein. Man kann sich nicht hinter der Technik verstecken.

Als VJ bewegt man sich stets zwischen Kunst und Kommerz. Wie platziert man sich richtig zwischen E- und U-Kultur?

Prinzipiell muss das jeder selbst entscheiden. Mir ist wichtig, dass trotz eines kommerziellen Einsatzes eine gewisse Qualität und Ästhetik erhalten bleibt. Ich bin auf beiden Schienen unterwegs und ganz froh darüber, dass ich auch einen Fuß in der Kunstszene habe.

Wie werden deine Visuals gemeinhin beschrieben?

Ich habe u.a. gelesen, dass ich mich in dem Spannungsfeld zwischen der reinen Ästhetik und der Reflexionsebene, die die Betrachtung auslöst, befinde. Manche haben mich schon als strengen Ästheten bezeichnet. Ich versuche aber, nicht in einer einzigen Schublade zu landen.

Grob gesagt: was unterscheidet ein Visual von einem Kurzfilm?

Für mich persönlich muss ein Visual einerseits als Loop funktionieren und andererseits sollen Visuals nicht an eine Leinwand gebunden sein, sondern sie sollen überblendbar sein, auf Fassaden projizierbar. Und es soll eine freigestellte Form, ein Symbol, ein Objekt präsentiert werden.

Also eine Loslösung vom Frame. ImageDigital oder analog?

Ich mache beides. Bei fast allen meinen Arbeiten lässt sich irgendein analoges Medium am Anfang ausmachen. Zum Beispiel ein Wassertropfen, der eine gewisse Lichtspiegelung hervorruft, und diese Lichtspiegelung, die analog hervorgerufen worden ist, wird dann in etwas anderes eingebaut. Das ergibt bei der Betrachtung einen viel direkteren Zugang, als ein rein digital generiertes Visual. Das lässt sich nicht so gut beschreiben, ist aber bei der Betrachtung spürbar.

Woher holst du dir Inspiration? Von anderen VJs, aus anderen Kultursparten?

Nein. Es sind hauptsächlich Motive, die mir begegnen und die mich inspirieren, daraus etwas Visuelles zu machen. Nicht jedes Motiv ist, so wie ich es finde, umsetzbar. Da gehört eine gewisse Vorarbeit dazu. Zuerst muss man das Ganze vor einen Hintergrund setzen, damit man es besser freistellen kann. Man muss vorher schon wissen, welche Farbe es werden soll. Beleuchtung ist natürlich ein großes Thema. Für manche Motive beträgt die Vorbereitung, dieser Setaufbau vor dem Filmen, einige Stunden. Und das Ergebnis sind dann ein paar Sekunden.

Du bist Mitglied bei poool. Was ist poool?

Der Verein poool hat in der Electric Avenue im Museumsquartier einen kleinen Präsentationsraum, wo einmal monatlich ein Visual Artist präsentiert wird. Wir bemühen uns, den unterschiedlichsten Herangehensweisen an die visuelle Kunst einen Platz zu bieten. Von rein digitaler Kunst bis zur analogen Raumgestaltung. Gelegentlich gibts auch eine Sehschule, wo der Künstler seine Herangehensweise, seine Methoden erläutert.

Wenn du es dir aussuchen könntest: was würdest du am liebsten bespielen?

Besonders reizvoll sind große Fassaden von renommierten Kulturhäusern wie die Staatsoper. Fassaden von Kirchen durfte ich schon bespielen. Sehr dankbar sind auch Steinbrüche. Wichtig ist eine gewisse Distanz für den Aufbau, um die Flächigkeit zu bewerkstelligen. Großflächige Projektionen auf die Victoria- oder Niagarafälle wäre natürlich schon eine wahnsinnige Herausforderung, das wäre was ganz tolles.

Mit den Krimmler Wasserfällen würdest du dich nicht zufrieden geben?

In diesem Fall nicht. Es soll natürlich eine möglichst breite Fläche von fallendem Wasser sein, auf die man projizieren kann. Im Kleinen habe ich Versuche gemacht, und das schaut durch die Reflexionen des Wassers ziemlich beeindruckend aus. Dazu braucht man natürlich unglaublich starke Projektoren.

 

www.deepfjord.com

www.myspace.com/deepfjord

www.pooool.net