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INTERVIEW: Eva Fischer (VJANE e:v/a)
INTERVIEW: Eva Fischer (VJANE e:v/a)

INTERVIEW: Eva Fischer (VJANE e:v/a)

Die sound:frame -Erfinderin Eva Fischer - VJane, Kunsthistorikerin, Organisatorin und Kuratorin - über die Faszination guten Vjings, schlechte VJs, das sound:frame-Festival und ihre eigenen VJ-Vorlieben.

 

Was ist für dich VJing?

Etwas, das ohne Musik nicht funktioniert. Der Festivaltitel „sound:frame – Visualisierung elektronischer Musik“ ist sehr bewusst gewählt. Es geht beim VJing wirklich um die Visualisierung von Klang, Sound, Musik. Ich mache dann die besten Visuals, wenn mir die Musik extrem gefällt.

Was macht einen guten VJ aus?

Kreativität. Man darf sich nicht mit den Originalclips, die man mit seinem Programm mitgeliefert bekommt, zufrieden geben und jahrelang mit denen arbeiten, ohne eigenen Content zu produzieren. Natürlich gibt es viele, die sich wirklich was überlegen, um mittels Performance Musik zu visualisieren. Zum Beispiel eine Crew aus Graz, frau mag rosa pink und Mojonaut, die einen Tisch mit diversem Zeug aufbauen, live Puppen zerschneiden oder mit einer Nähmaschine auf Papier nähen. Das filmen sie mit drei Kameras, speisen das in ihr VJ-Programm ein und produzieren daraus live on stage die Visuals. Ein anderes Beispiel wäre Martin Lorenz aka .mrt: Er hat sich eine Miniatur-Blackbox gebaut, hantiert darin mit kleinen Figuren und Objekten, die er ebenfalls filmt und daraus live Visuals generiert.

Die beiden von dir genannten Beispiele haben ihren Ursprung in einer analogen Arbeitsweise, die live vor dem Publikum stattfindet. Warum gefällt uns das so gut?

Ich glaube, das macht eben den Unterschied, wenn man jemanden bestaunen kann und weiß: Wow! Der macht das gerade live! Der macht das selber! Der hat es drauf! Man braucht noch immer die Persönlichkeiten, die sich auf der Bühne abviechern.

Wie ist das sound:frame – Festival entstanden?

Die Idee hatte ich schon vor sechs Jahren. Ich studierte Kunstgeschichte, um später Kuratorin zu werden. Ich wollte immer Ausstellungen zeitgenössischer Kunst machen und hatte auch schon viel Ausstellungstechnik, Ausstellungsplanung etc. gemacht. Dann war ich ein Jahr in Holland, wo die VJ-Szene extrem weit entwickelt war. Als ich zurück kam, war mir Graz zu klein geworden. Begonnen habe ich im Künstlerhaus mit einem unbezahlten 20-Wochenstunden-Praktikum, da wurden dann viel mehr Arbeitsstunden draus. (lacht) Und anscheinend war man mit meiner Arbeit zufrieden, denn ich wurde dann eingeladen, eine Ausstellung kuratieren. Ich hatte damals schon das Ausstellungs-Konzept zum späteren sound:frame fertig, das ich schon Jahre vorher für eine Seminararbeit entwickelt hatte. Naja, das war der Geburtstag von sound:frame. Im ersten Jahr – 2007 - waren wir in der Künstlerhaus- Passage und haben dort gleich 10 Monitore reingeklescht! Die Parties am Abend fanden oben im Künstlerhausfoyer statt. Das war schwer, aber es war ein Erfolg und ich wurde eingeladen, daraus eine Hauptausstellung im Künstlerhaus zu machen. Die Ausstellung bildet das Herzstück und rundherum baut sich das Rahmenprogramm auf. Darum dauert sound:frame auch fünf Wochen!

Wie ist VJing entstanden?

Ich würde definitiv die Lightshows der 1960er, bei denen live gearbeitet wurde, als den Beginn der Visualisten / VJs bezeichnen. Psychedelische Musik – Liquid Light Shows. Ich finde das ja toll, wie damals gearbeitet wurde: Auf der Bühne spielte die Band, dahinter trennte eine große Leinwand einen noch mal dahinter liegenden Raum ab, von dem aus eine ganze Lightshow-Band mit irrem Material und irrem Setup ihre Lichtspiele produzierte: Overheadprojektoren, Filmprojektoren, unterschiedliche Schüsseln mit Öl und Farben, Stroboskopshows, hergestellt mit Wellblech, und vielem mehr.

Warum arbeiten VJs und DJs zusammen?

Ich denke, dass es durch das Fehlen der Bands auf den Bühnen wichtig geworden ist, einen anderen visuellen Reiz zu bieten. Ein Computermusiker macht nun mal nicht die große Show wie etwa die Rolling Stones (grinst) Visuals und elektronische Musik haben sich parallel zueinander entwickelt. Beide verbindet eine ähnliche künstlerische Strategie und Zugansweise. Das Sampling, Mixing, Remixing – beiden Arten basieren im Prinzip auf Loops und lassen sich somit wunderbar verbinden. Außerdem arbeitet elektronische Musik sehr sparsam mit Lyrics, was dem oder der VJ viel Platz zur Interpretation lässt.

Siehst du Vjing als eine weibliche Kunst?

In Wien auf jeden Fall. Hier arbeiten extrem viele Mädels und Frauen als VJs. Wenn man das international vergleicht, findet man kein Land bzw. keine Stadt, in der es einen so hohen Prozentsatz an Frauen gibt. Ich kann mir vorstellen, dass da female:pressure eine Rolle spielt. Großen Einsatz für die VJ-Szene in Österreich haben Eva Bischof und Gery Herlbauer, also die VJ-Gruppe „4yourEye “, gezeigt, besonders mit dem von ihnen gegründeten VJ-Label Eye|Con. Eva hat sich von Anfang an für die Frauen in der Szene eingesetzt, das hat bestimmt den Weg etwas geebnet. Eine der ersten VJs in Österreich war eine Frau – Starsky! Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Das Spannende ist ja auch, dass es den oder die VJ an sich - als Künstlerprofil oder in der Ausbildung - ja nicht gibt. VJs kommen aus den verschiedensten Richtungen und Sparten, das sind FotografInnen, CutterInnen, DesignerInnen, MusikerInnen…die ihre diversen Skills in die Visuals einfließen lassen. Das macht das VJing zu einem wunderbar vielfältigen Feld.

Wie arbeitest du als VJane e:v/a?

Ich arbeite mit einer etwas älteren Software aus Tokyo – Motion Dive. Die kann zwar relativ wenig (grinst), aber ich mag sie, weil ich mit den Clips sehr schnell mixen kann, was in anderen Softwares eher schwierig ist. Ich arbeite jetzt mittlerweile mit über 3000 Clips, die ich akribisch in meinen Bibliotheken geordnet habe, und sie zu jeder Zeit beim live performen finde. Es gibt nichts schöneres als zur richtigen Zeit, zum richtigen Sound den richtigen Clip bereit zu haben. Ich mag’s gern auch mal ein bisschen trashig, verwende neben selbst gefilmten und animierten Material genauso Found Footage. Ich zitiere sozusagen die visuelle Geschichte und unser visuelles kollektives Bewusstsein. Da bin ich ein Remixverfechter!

VJane oder Visualistin: Wie willst du selber genannt werden?

Prinzipiell ist mir das egal, aber meistens bezeichne ich mich, glaube, ich als Visualistin. Das nähert sich meinem Zugang etwas mehr - ich visualisiere etwas – nämlich Musik! Das ist mir schon wichtig.

Welche Auswirkungen haben technische Neuerungen auf VJing?

Große, und in vielerlei Hinsicht sehr positive! Es wird einem durch einfacher zu erstehende Software und Hardware immer leichter gemacht. Ich glaube, dass das auch ein Grund ist, warum die Sache so boomt. – Es ist mittlerweile ja so, dass sich jeder Club einen Beamer leisten könnte, wenn er wollte. Das war vor 10 Jahren so noch nicht möglich. Dasselbe natürlich mit guten Notebooks und mit der Software. Mit Technik umgehen zu können, sagt jedoch noch lange nichts über die Qualität des Audio-Acts oder des VJs aus. Natürlich kommen dadurch viele nach, die sich ebenfalls versuchen. Aber das trennt sich dann auch schnell die Spreu vom Weizen.

Was findest du am VJing fürchterlich?

Was natürlich fürchterlich am VJing ist – wie sag ich? „Bezahlung“ kann ich fast gar nicht sagen (lacht) – dass die Arbeit und was man dafür kriegt in überhaupt keiner Relation stehen. Zumindest im Club. Man arbeitet als VJ etwa 10 Stunden für die meisten Gigs. Schleppt selbst Beamer und Leinwände an – kommt als erster, geht als letzter, kriegt am wenigsten von allen. Aber wir kämpfen weiter. Und in Wien ist es so, dass sich einfach mit der Zeit auch tolle Kooperationen mit VeranstalerInnen ergeben haben und ergeben. Da ist dann das Geld schnell ziemlich nebensächlich. Dann geht’s um audio-visuelles Zusammenspiel. Um Spaß und um Genuß! Man muss halt gut abwägen.

Mac oder PC?

Mac! (lacht) Mir gefällt der Mac von der Benutzerfreundlichkeit her besser. Und er ist halt einfach ein schönes Ding.