„Lebe lieber im Jetzt und träume von Zukünftigem..“ - Wolfgang Schlögl aka I-Wolf im Interview

Datum: 
26.06.2014

Lieber Wolfgang, du stellst für die Headlining-Show auf der Eutopia DJ/VJ-Insel am Donauinselfest speziell einen „One-Off“ Liveact – also einen einmalig stattfindenden Programmpunkt - mit Slivo, Sänger von 5/8erl in Ehr’n und Ogris Debris zusammen. Wie gehst du an so eine Sache heran und in welche Richtung wird der Sound gehen? Kannst du uns dazu schon etwas verraten?

Wolfgang Schlögl: Nichts ist langweiliger als ewig mit demselben Liveact herumzutingeln, deshalb versuche ich schon seit einiger Zeit, verstärkt mit Kollaborationen und speziellen Versionen Musik für die jeweilige Crowd oder Location zu erarbeiten. Für die Eutopia DJ/VJ-Insel freue ich mich auf eine Kombination aus DJ- und Liveact, also bekannteren Tracks und einem extragetunten Querschnitt meiner Arbeiten auf Danceversion gebürstet. Slivo wird der Zeremonienmeister sein und den Abschluss machen Ogris Debris mit ihrem hyperenergetischen Dancepartysound und einer echt coolen Performance.

Weiters wirst du in die Live-Show auf der Eutopia DJ/VJ-Insel am Donauinselfest auch Versatzstücke deines „Bee Pop“ Projekts, in welchem du gemeinsam mit deinem Kollegen Paul Divjak mit den Tönen ganzer Bienenvölker gearbeitet hast, einarbeiten. Wie seit ihr auf die Idee mit den Bienen gekommen? Hast du einen besonderen Bezug?

Das war ein schöner Zufall. Eigentlich begann es als Kunstprojekt, bei dem wir aus Fieldrecordings von Bienen ein Popalbum fabrizierten. Bald bekamen wir so viel Feedback auf das Album und unsere Shows wurden mit Kostümen immer bunter, sodass BEEPOP jetzt ein bisschen ein Eigenleben entwickelt hat. BEEPOP wird also auch auf bei Eutopia vorbeischauen...

Du hast in deinem Leben ja schon sehr viele Band-Projekte (Sofa Surfers, The Slow Club, I-Wolf & The Chainreactions, Bee Pop, etc) gestartet – wie viele waren es insgesamt?  

Haha. Hab ich noch nie gezählt. Ich bin auch ein schlechter Archivar meiner Arbeiten. Ich lebe lieber im Jetzt und träume von Zukünftigem.

Was kann man in künstlerischer Hinsicht in den kommenden Jahren von I-Wolf bzw. dir als Künstler erwarten? In welche Richtung wird es gehen?

Schwere Frage. Ich kann‘s ehrlich nicht sagen. Aber mit meinen musikalischen Partnern Tom Marsh und Eduardo Raon wollen wir noch bis Ende 2014 eine EP produzieren, die eher mit wenigen Klangquellen auskommen soll. Nur Drums, Bass und Harfe. Schaumamal. Bestimmt werde ich auch weiter Theaterarbeiten machen, wie ab September wieder in der Josefstadt, oder ab November im Schauspiel Frankfurt. 

Du als erfahrener Künstler, der die Szene in Wien und Österreich seit langen Jahren kennt, hast bestimmt einen guten Rat für junge Künstler, die im Jahr 2014 dort stehen, wo ihr 1997 zu Beginn der Sofa Surfers Zeit gestanden seid. Welche Tipps kannst du jungen Talenten geben? 

Vernetzt euch lokal u international. Diese Netzwerke werden sich auch verändern oder kaputtgehen. Aber grundsätzlich ist es wichtig, neugierig und kommunikativ zu bleiben, während man seinen eigenen Ansatz entwickeln soll.

Als Kurator des Popfest 2014 am Karlsplatz trittst du ja gemeinsam mit Violetta Parisini an, ein rein österreichisches Lineup zusammenzustellen, das sich quasi quer über alle Genres erstreckt. In welcher Musikrichtung siehst du derzeit das meiste Potential bzw. die meiste Innovation in Österreich?

Ich freu mich, dass sowohl im avancierten Indiepop bis zur Elektronik viele Talente international reüssieren. Das freut und zeigt, dass in Österreich sehr wohl tolle Musik produziert wird. Eine bestimmte Richtung kann ich nicht hervorheben. zB bekommen viele jazzaffine Producer wie Cid Rim oder Sixtus Preiss viel Feedback. Ohne jazz wäre deren elektronischer Sound nicht so gehaltvoll.

Wenn du drei Dinge an der österreichischen bzw. Wiener Kulturpolitik ändern könntest, welche wären es? 

Dafür müßte ich Bundeskanzler werden (lacht)!
1. mehr österreichisch-produzierte Songs auf österreichischen Radiostationen
2. mehr Geld für österreichische Theater
3. mehr Programme und Strategien für Talent und somit Wirtschaftsförderung für Kreative, bzw. abgabenmässige Besserstellung bei SVA und im Steuergesetz.

 

Vielen Dank für das Gespräch, wir sehen uns dann am Samstag, den 28. Juni ab 22:00 auf der Eutopia DJ/VJ-Insel am Donauinselfest!